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Der Wortschatz: Mut zur Lücke

erstellt am: 20.07.2010 | von: Merkwürden | Kategorie(n): Wortschutzgebiete

Schön und gut: Der Mensch kann nur das denken, wofür er Worte hat. Und Worte hat er eigentlich genug. Spricht er eine Fachsprache, sind mehrere Millionen Wörter möglich. Allein in der Chemie sollen es um die 20 Millionen sein. Aber welcher Normalsterbliche möchte schon 20 Millionen chemische Begriffe denken? Ein Alptraum.

Wörter wie Sand am Meer

Aber auch mit dem unspezifischen Wortschatz sind der und die Wortbegeisterte gut bedient. Immerhin liefert er prinzipiell die Auswahl von ca. 300.000 bis 500.000 Wörtern. Legt man Studien zugrunde, in denen elektronisch gezählt wurde, dass im Tagesdurchschnitt ca. 16.000 Wörter gleichermaßen aus Mann und Frau heraussprudeln (adieu Klischee vom großen männlichen Schweiger und der weiblichen Quasselstrippe), wäre es somit möglich, mehr als 31 Tage jeden Tag neue Wörter zu benutzen. Mal von den praktischen Problemen abgesehen, wenn bereits am 2. Tag das Wort „ich“ oder „Büro“ aufgebraucht wäre und am 12. Tag auch keine Umschreibung mehr möglich ist. Das würde das Sprachniveau unser Alltagskommunikation vermutlich erheblich steigern.

Viel Platz im Kopf

Aber langsam: Denn 500.000 Wörter mag es geben, unser jeweiliges Gehirn kennt davon leider nur 40.000 bis 65.000 Wörter. Selbst davon bleibt nur ein trauriger Rest, wenn es darum geht, wie viele tatsächlich angewendet werden, nämlich 3.000 bis 5.000. Und in der modernen Kommunikation per SMS oder im Chat reichen sogar 100 bis 200 Wörter aus.

Mehr Wörter denkbar

Trotzdem: Ist es nicht eine schöne Hoffnung, dass mein Gehirn so viele Wörter mehr kennt als ich  gemeinhin so spreche? Dann denkt mein Gehirn ja mehr als ich denke! Und damit besteht die Hoffnung, dass sich irgendwo in den Windungen meines Gehirns Wörter finden, die dann vielleicht eines schönen Tages für mich freigegeben werden, damit ich sie nutzen kann.

Und vielleicht ist unter all diesen Wörter dann das eine, mit dem ich endlich ganz genau das Innere eines Brötchens beschreiben kann. Nicht das Innere, na, diesen, diesen kleinen Kloß, der sich bildet, wenn das Brötchen aufgeschnitten wird, diesen hellen Knubbel aus Teig, diese Kugel aus Brötcheninnenleben, diese – ja, was?

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Knurpsel

Pappkloß

Ich kenne Knurpsel nur als Kosewort für kleine Kinder. “Ne wat für ein süßer Knurpsel” – oder so.
Ich spreche einfach von den Innereien oder dem Innenleben, aber das ist natürlich nicht ganz eingängig.

Knurpsel ist das, was man liest – und hört, wenn Obelix
ein überm Feuer geröstetes Wildschwein abknabbert

Mümmes. Mümmes ist im rheinischen in jedem Falle etwas, das man aus etwas rauspult.

Mümmes kenn ich auch, allerdings als etwas, was man aus der Nase pult. Insofern bleibe ich skeptisch und
warte gespannt auf weitere Wortschöpfungen.

Klar doch, das Innenleben vom Brötchen heißt Brötchenseele, auch unter “Brö-seel” oder kurz “Brösel” bekannt.

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