Seit 1977 kürt die Gesellschaft für deutsche Sprache (GfdS) das Wort des Jahres. Wir blicken zurück.
Teil 2: Terror, Umweltschutz und ein Weinskandal
Für den heißen Herbst gilt dasselbe wie für die Rasterfahndung – auch hier denkt man weniger an die 80er als an das vorherige Jahrzehnt. Für die Nachgeborenen hilft hier nur der Geschichtsunterricht. Vielleicht ließe sich die Metapher aber mit einem anderen Bedeutungshof wieder nach vorne bringen: Der Klimawandel macht es möglich. Ansonsten bleibt dem heißen Herbst nur der Rückzug in ein Wortschutzgebiet.
Das Umweltauto glänzt sowohl auf den Straßen als auch im Wortschatz der meisten durch Abwesenheit. Nicht wenige versuchen, Verwandte wie das Elektro-Auto oder das Drei-Liter-Auto zu etablieren. Mit steigendem Erfolg. Bleibt abzuwarten, was die Öl- oder Automobilindustrie dagegen setzt. Die SUV-Autos buchstabieren sich jedenfalls nicht als Saubere-Umwelt-Vehikel.
Auch nicht gerade gesundheitsförderlich ist Wein, der mit Glykol versetzt wird. Da die Deutschen nicht unbedingt als die Besseresser und -trinker Europas bekannt waren und sind, konnten die Winzer hierzulande der Süße mit Diethylenglykol auf die Sprünge helfen. Na ja, die Österreicher hatten es auch nicht besser. Süßer Wein ist schon an sich ein Schrecken, aber deshalb muss er ja nicht zwingend auch noch mit Frostschutzmittel aufgepeppt werden. Pikante Randnotiz: Der Skandal wurde aufgedeckt, weil ein Winzer sein Panschmittel auch noch von der Steuer absetzen wollte. Weinanbau im Zeitalter des Kapitalismus…




Erstaunlich, wie kontextabhängig alles ist. Heißer Herbst ist gleichzeitig so speziell und könnte doch eine ganze Menge heißen. Die Glykol-Geschichte dürften die meisten vergessen haben. Aber die Wiederkehr des Umweltautos ist interessant. Gibt es noch eine Fortsetzung?