Seit 1977 kürt die Gesellschaft für deutsche Sprache (GfdS) das Wort des Jahres. Wir blicken zurück.
Die Angst geht um
Alles verblasste angesichts von Tschernobyl. Das war eine Globalisierungserfahrung der ganz anderen Art. Die Konsequenz: Auch, was weit weg passiert, geht mich an. Und so sahen es auch hunderttausende Demonstranten. Bis heute wirkt der Schreck bei vielen nach – ganz zu schweigen von denen, die unmittelbar gesundheitlich betroffen waren und sind. Nur die aktuelle Regierungskoalition scheint über ein schlechtes Gedächtnis zu verfügen.
Die Katastrophen rissen nicht ab und das Jahr 1987 brachte ein Novum: Die Juroren der Gesellschaft für deutsche Sprache konnten sich nicht entscheiden und wählten das Doppel Aids und Kondom zum Wort des Jahres. Die Angst ging weiter um in Europa und helfen sollte da ein kleiner Gummiüberzug, der allzu vielen doch reichlich hinderlich erschien. Aber langsam schwante den ersten, dass es sich dabei nicht um eine Epidemie handelt, die nur Schwule dahinrafft. Global gesehen haben sich die Befürchtungen mancher mehr als erfüllt und auch in Europa steigen die Ansteckungsraten wieder. Es wäre mal wieder an der Zeit, Aids ins Gedächtnis zu rufen und Kondome nicht weiter zu boykottieren – schon gar nicht aus religiösen Gründen.



