Wortschutz » Wortwechsel » Lebensgefährte, weiblich.

Lebensgefährte, weiblich.

erstellt am: 06.08.2010 | von: van Zwart | Kategorie(n): Wortwechsel

In unserer Sprache fühlen wir uns zuhause. Schon mit zwei Jahren sprechen wir um die fünfzig Wörter. Wer Glück hat oder fleißig übt, baut seinen Wortschatz im Laufe der Jahre kontinuierlich aus. Der Mensch ist in der Lage, hochkomplizierte Schachtelsätze zu lesen, zu verstehen und zu sprechen. Er kann – muss aber nicht.

Schon gar nicht, wenn er beruflich gezwungen ist, stets dieselbe Anordnung von Fragen an sein Gegenüber loszuwerden. Da kann dann schon manchmal ein so schönes Wort wie ‘Lebensgefährtin’ zu Irritationen führen, wenn es aus dem guten, alten, wohlvertrauten Kontext genommen ist. Als Beispiel zähle hier der Anruf einer Service-Gesellschaft, nennen wir sie „Phone One“.

8.45 Uhr. Das Telefon klingelt.
Sie: Wattke.
Ein Typ von ‘Phone One“, vielleicht Anfang zwanzig,  stellt sich vor. Fragt dann nochmals nach:
Er: Wer ist da?
Sie, langsam: Claudia Wattke.
Verwirrung. Er: Bin ich da nicht bei Rena Schmidt?
Sie: Doch.
Stille.
Er.: Und Sie? Wer sind Sie?
Sie: Die Lebensgefährtin.
Stille.
Er: Tut mir leid, ich hatte das nicht verstanden. Deswegen habe ich nachgefragt.
Sie: Ist schon o. k.
Pause. Atmen.
Er: Es geht um das Angebot, das wir mit der letzten Rechnung geschickt haben. Da war so ein roter Flyer drin.
Wann kann ich Frau Schmidt denn erreichen?
Sie: Sie ist erst spät abends zu erreichen. Etwa ab 20 Uhr.
Sichtlich enttäuscht und in Panik antwortet er: Wir haben aber nur bis 20 Uhr geöffnet!
Stille.
Er: Wer ist denn bei Ihnen der Mann?
Sie ist baff. Eine direkte Frage. Will der jetzt ein obszönes Gespräch provozieren? Passt aber wiederum nicht zu dem fast naiven, kindlichen Ton.
Sie holt tief Luft und antwortet langsam und lauernd:
Das gibt es nicht. Das ist ein großes Ammenmärchen.
Er entschuldigt sich: Ja, das weiß ich ja nicht. Jeder kann ja so leben, wie er will, das muss man respektieren, obwohl ich…. Na ja, darum geht es jetzt nicht.
Sie muss schmunzeln. Es ist schon o. k. tröstet sie ihn. Mir ist es auch lieber, wenn jemand direkt fragt. Aber es gibt bei uns keinen Mann.
(Wie erklärt frau das jetzt einem offensichtlich ahnungslosen Jüngling einfach und verständlich?)
Sie versucht es auf diese Weise:
Wenn zwei Frauen zusammenleben, sind sie meistens beide sehr fit, was den Haushalt betrifft, arbeiten beide, und teilen sich alle anstehenden Dinge, die angenehmen und die unangenehmen.
Er: Ja, das ist schon o. k. Das muss man akzeptieren. Obwohl ich…(Pause, dann erleichtert:) Aber Sie entscheiden dann bestimmt auch alles zusammen.
Ja, sagt sie.
Jetzt versteht sie seine Frage. Sie ist quasi also auch ‚Mann’ und darf mitentscheiden. Und es bestätigt ihren Verdacht, dass er wohl auch noch gewohnt ist, den Pascha in seiner Hetero-Beziehung zu geben.
Er: Dann können Sie ihr von dem Angebot ja schon mal erzählen. Sie nutzen bestimmt auch Internet?
Sie: Ja, aber wir haben bereits einen günstigen Tarif bei ABC.
Er: Dann sind Sie also gebunden.
(Genau, mein Junge. Jetzt hast du’s.)
Sie:  Stimmt.
Er: Wenn Sie sich um-entscheiden, können Sie ja bei uns anrufen.
Sie: (Um-entscheiden?? Von wegen.) Natürlich.
Er: Ja, gut.
Sie: Ja.
Er: Dann wünsche ich Ihnen noch einen schönen, sonnigen Tag.
Sie: Gleichfalls, danke.
(Und mehr Verständnis für die Facetten des Lebens. Und eine Freundin, die dir zeigt, wo es lang geht und sich von dir nicht unterbuttern lässt. Es darf aber auch gerne ein Freund sein.)

« « Früher hat sich immer alles gereimt. | Der Jugend das Wort » »

Kommentar schreiben

Kommentar

Comments links could be nofollow free.

Also, ich wohne ja seit einiger Zeit in Australien und was ich hier so richtig furchtbar finde ist der “Akuefi” der Australier (ist “Akuefi” so ein 80er Ausdruck?). Zum Beispiel schreibt jeder unter eine Einladung “RSVP please till August 12″ und damit ist gemeint, dass man bis zum 12. August bescheid sagen soll, ob man kommt oder nicht. Aber was bedeutet “RSVP”? Wofuer ist das eine Abkuerzung? Das kann einem hier kaum jemand sagen. Irgendwann habe ich mal herausbekommen, dass es fuer “repondez s’il vous plait” steht, also fuer die franzoesische Version von “antworten Sie bitte”. Da sieht man dann gleich, dass bei “RSVP please” ein “bitte” zuviel ist. Niemand versteht, dass ich das seltsam finde, niemand findet etwas dabei, Buchstaben taeglich zu verwenden ohne wirklich zu wissen, was sie bedeuten. Passiert sowas in Deutschland auch?

Hallo David,
schön, deine ‘Stimme’ aus dem fernen Australien zu hören. Ich glaube, solche ewig weiter getragenen rätselhaften Ausdrücke, von denen keiner mehr weiß, was sie eigentlich sollen, gibt es überall.
Mir fällt spontan sic! ein. Damit kennzeichnet man einen Fehler in einem Zitat, der schon drin war und den man korrekterweise so übernommen hat. Kommt wohl aus dem Lateinischen und heißt ‘wirklich so’. Mich erinnert es immer an Hic(k) – so als wären einfach alle ein bißchen besoffen gewesen, als sie diesen Text geschrieben haben.
Kürzel kann ich aber prinzipiell nicht so richtig leiden, sehr nervig finde ich auch mfG – als ob man nicht wenigestens die Grüße noch ausschreiben könnte. Wahrscheinlich kann ich deshalb auch keine SMS leiden.

Bad Behavior has blocked 8 access attempts in the last 7 days.