Was ist eigentlich ein Fall? Vor Gericht gibt es Fälle, in der Sprache auch (man denke nur an den notleidenden Genitiv), das Arbeitsamt hat Fallberater, die ihre Schäfchen vor dem tiefen Fall schützen sollen und so weiter. Der Fall scheint jedenfalls eine recht universelle und irgendwie auch schwammige Sache zu sein. So in etwa wie „Gib mir mal den Dings da drüben“ kann man auch sagen „Ich konnte heute einen wirklich interessanten – äh,äh – Fall beobachten“.
Noch verwirrender wird die Lage, wenn man sich die ganzen Fälle mit Präfix anguckt, als da wäre (ohne Garantie auf Vollständigkeit): Unfall, Durchfall, Vorfall, Zwischenfall, Ausfall, Einfall, Anfall, Abfall, Befall, Zufall…
Vor oder zwischen, raus oder rein?
Schon aufs Erste wird ersichtlich: Der Fall kann einem überall widerfahren, ob nun vor oder zwischen etwas, er kann aus einem raus- oder auch überraschend in einen reinkommen. Und dann gibt es noch den Unfall, also den Fall, den es eigentlich gar nicht geben dürfte: das, was zwar der Fall, also Realität geworden ist, aber doch mit dem verneinenden Präfix Un- ins Reich des Unmöglichen verwiesen werden soll.
Ein wenig ratlos machen die Worte Abfall und Durchfall. Was sind das eigentlich für Fälle? Mir scheint, hier kommen wir nur weiter, wenn wir von unseren Überlegungen zu Fall wegkommen und ans Fallen denken. Auch das ist im übrigen eine interessante Wort-Verwandtschaft. Im einen Fall fällt also alles durch – unangenehm genug – und im anderen fällt etwas ab. Nur dass es sich hier nicht um ein willkommenes Überbleibsel handelt.
Kurzum: Der Sprache fällt so einiges ein, und mancher Unfall kann sich bei näherer Betrachtung als genialer Einfall erweisen – und leider auch umgekehrt.




Scheint sich hier um eine besondere Form der Fallsucht zu handeln
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