Wortschutz » Wortwuchs » Lasst Blumen sprechen

Lasst Blumen sprechen

erstellt am: 01.09.2010 | von: emagla | Kategorie(n): Wortwuchs

Das ist eine durchaus geläufige Aufforderung, mit der Floristen bei geeigneter Gelegenheit – und Gelegenheiten gibt es ja bekanntermaßen viele – sich an die Kaufkraft derer wenden, denen es bei besonderen Anlässen schon mal die Sprache verschlägt. Aber was genau sagt das liebliche Gewächs?

Das Internet hilft. Google bietet beispielsweise, gibt man im Suchfeld ‘Sprache’ ein, bereits an dritter Stelle ‘Sprache der Blumen’ an. Und nicht nur das: Klickt man ein wenig hier und dort, lädt sogar unter www.fantasia-blumen.de ein Sprachkurs zum Erwerb der Blumensprache ein.

Vorneweg: Einfach ist die Sprache nicht. So müssen alle Spracherwerbswilligen schon zwischen der ‘Rosa moschata’ und der ‘Rosa multiflora’ zu unterscheiden lernen: Ob die Liebe nun launenhaft oder würdevoll sein oder werden soll, sollte schließlich auch blumensprachlich vor Eingehen einer Bindung sorgsam überlegt sein.

Das kann der Sprache blühen

Aber nicht nur die Rose, auch andere Blumen sprechen: Die Alpenrose fragt: ‘Wann sehen wir uns wieder?’ Gut, das ist vielleicht einen Hauch romantischer als eine kurze SMS zu schicken: CUT! See you tomorrow! Aber dass ausgerechnet der Buchsbaum mir mitteilen sollte, dass ich ‘entsetzlich spröde’ sei oder die Brennessel mir mit vernichtendem Blick ihr ‘Ich habe dich durchschaut, Grausamkeit“ entgegen schleuderte! Also bitte. Auch der Klatschmohn ist nicht ohne, spricht er doch: ‘Dein schläfrig-phlegmatisches Temperament kann keine bedeutenden Regungen Deines Herzens aufkommen lassen.’  Schade, bisher mochte ich die Blume sehr, aber bitteschön: Man muss ja auch nicht alles so wörtlich nehmen.

Auf den richtigen Ton kommt’s an

Allerdings lässt sich der Spruch „Lasst Blumen sprechen“ auch in ungewöhnlichen Situationen nicht wörtlich, aber zu  Herzen nehmen. Wie die ‘New York Post’ berichtete, habe ein Bankräuber in New York am Schalter einen bunten Blumenstrauß mit einer Notiz präsentiert: ‘Geben Sie mir Ihre Hunderter und Fünfziger. Spielen Sie nicht den Helden.’ Daraufhin erhielt er umgehend die in der Kasse befindlichen 440 Dollar, wobei er allerdings von der Überwachungskamera gefilmt wurde, ohne auch nur von irgendeiner Blume ansatzweise gewarnt worden zu sein.

Der Polizei war der Blumen-Räuber übrigens nicht unbekannt: Er soll bereits einen Bankraub mit einer Topfpflanze verübt haben. Na, die hat jetzt sicher ‘ne Menge zu erzählen…

« « Die 80er Jahre – Von der Rasterfahndung zur Reisefreiheit III | Is(s)t unser Humankapital Peanuts? » »

Kommentar schreiben

Kommentar

Comments links could be nofollow free.

‘Lasst Blumen sprechen’ – so heißt auch eine 1937 erschienene Kriminalgeschichte von Agatha Christie, in der Hercule Poirot versucht, die Blumen zu verstehen. Mir scheint, in diesem Fall war die Sprache der Blumen ‘Mord’.

Da lob ich mir doch die stillen Stunden mit meiner Plastiknelke…
Es tut so gut, mit jemandem schweigen zu können.

ohje, was man da alles völlig unschuldig durch die Blume sagen kann. Zum Glück habe ich noch nie einen Buchsbaum verschenkt und das letzte Alpenveilchen ging an meinen Mutter – hier ist baldiges Wiedersehen ja durchaus erwünscht.
Was ist denn eigentlich mit der Nelke? Habe mal gehört, dass man die auf keinen Fall Schauspielern nach der Vorstellung schenken soll. Kommt wohl direkt nach einem Haufen Exkremente…

Bad Behavior has blocked 8 access attempts in the last 7 days.