Schon längst bekannt ist, dass ein ‘herrlicher Weitblick’ leider nur aus der 20. Etage eines 25stöckigen Hochhauses zu erlangen ist. Auch die ‘gute Verkehrsanbindung’ kaschiert geschickt ein deutliches Übel: Die Autobahn ist nicht weit und das werden Sie auch hören.
Neue Wörter braucht das Land?
Neben diesen üblichen Euphemismen driftet der Immobilienmakler gemeinhin auch gerne ins Träumerisch-märchenhafte ab. Da erfüllt sich so mancher Wohntraum – und sei es im Wohnsilo. Besonders erwähnenswert ist aber folgende Wendung: ‘taglichter Wohntraum’.
Das wunderbare Attribut taglicht sollten wir zukünftig möglichst weiträumig einsetzen, damit dieser blitzlichte Einfall nicht in Vergessenheit gerät. Denkbar wäre etwa: der taglichte Monitor lässt an Tiefenschärfe nichts zu wünschen übrig, oder auch: Die taglichte Sprache durchdringt auch die tiefsten Geheimnisse der Protagonisten, oder ganz schlicht und alltagstauglich: Räum mal deinen taglichten Schreibtisch auf.
Auf dass unser Leben heller werde.




Zugegeben: Ich find auch Kontaktanzeigen in sprachlicher (rein sprachlicher, natürlich!) Hinsicht nicht schlecht. Z.B. wenn man versucht, aus den Anzeigen auf den Beruf zurückzuschließen.
“Darf es ein bißchen Liebe sein?” – die Dame kommt doch wohl aus dem Fleischerfachhandel: Darf es ein bißchen mehr sein? Klingt nach Wurstfingern und kalten Händen. Wogegen “Passt mein Deckel noch auf einen Topf?” doch ein warmes Abendessen zu zweit verspricht. Obwohl auch diese Aussage von einer taglichten Romanze noch weit entfernt ist.