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Dialektische Problematik

erstellt am: 13.10.2010 | von: emagla | Kategorie(n): Wortschutzgebiete

Es ist nicht einfach, eine Sprache von einem Dialekt zu unterscheiden. Das hat zur Folge, dass die Sprachgelehrten sich nicht einig sind, wie hoch die Gesamtzahl der aktuell auf der Welt gesprochenen Sprache ist. Schätzungsweise sind es zwischen 2.500 und 10.000 Sprachen, die allen Angehörigen dieser Sprachgemeinschaft verständlich sind. Der Dialekt dagegen gehört üblicherweise zu einer regionalen Sprachvarietät.
Fernab solch theoretischer Erörterungen steht eines fest: Praktiziertes Sächsisch bereitet dem/der Ungeübten sowohl bei der Artikulation als auch beim Erfassen seiner Bedeutung einige Schwierigkeiten. Ist es deshalb vom Aussterben bedroht?

Am 03. Oktober wurde es im Dresdner Schauspielhaus verkündet: das „sächsische Wort des Jahres 2010“. Wenn der Kür des sächsischen Wortes ausgerechnet am Tag der Deutschen Einheit ein symbolischer Wert zukommen sollte, blicken wir  – jedenfalls im Rheinland -  tief verunsichert auf unser täglich Wort. Ein Graben tiefen sprachlichen Unverständnisses tut sich auf.

Vereint und doch getrennt

Doch möglicherweise ist der Graben – in Abwandlung des rheinischen Mottos „Jeder Jeck ist anders“ – in Toleranz überwindbar? Oder ein guter Grund, aus dem Tag der Deutschen Einheit einen Tag der deutschen Vielfalt zu machen.

Bleiben wir jedoch zunächst beim Graben: Bereits in den Jahren 2008 und 2009 wurden Sachsens ‘Wörter des Jahres’ gekürt. Die Jury, bestehend aus dem Dresdner Germanistik-Professor Karlheinz Jakob, Schauspielern, Journalisten und Kabarettisten, kürten zum beliebtesten Wort des vergangenen Jahres das Wort ‘färdsch’, auf hochdeutsch: ‘fertig’. Das klingt ja noch sehr vertraut, denn im Kölschen sagt man: ‘fäädig’. Aber ‘fischelang’ für ‘geschäftig’? Oder ‘Asch’ für ‘Wäschebottich’? Hier spricht schon vieles dafür, dass auch das hochdeutsche Wort ‘Wäschebottich’ bereits zu den arg bedrohten gehört.

Bedrohtes Sächsisch

Wie auch immer: Die Angst vor dem Verschwinden sächsischer Wörter aus dem Sprachgebrauch der Sachsen treibt die Initiatoren um. Deshalb umfasste die Suche nach dem sächsischen Wort auch 2010 neben dem ‘beliebtesten’ das ‘bedrohte’ und: das ganz ‘besonders schöne’ Wort. Hier sind die Sieger:

in der Kategorie ‘beliebtestes Wort’: Hornzsche
in der Kategorie ‘bedrohtes Wort’: bäbbeln
in der Kategorie ‘besonders schönes Wort’: dschidschoriengrien

Und – da unwissend noch keine Gräben überwunden wurden – hier die Bedeutung der Sieger-Wörter Sachsens:

Hornzsche =  Rumpelbude
bäbbeln = Fußball spielen
dschidschoriengrien  = greller Grünfarbton mit hohem Gelbanteil

Wie schon Goethe sagte: Beim Dialekt fängt die gesprochene Sprache an. Wie sieht es nun aus? Haben Sie sich mal als Nichtsachse/-sächsin ‘dschidschoriengrien’ auf der Zunge zergehen lassen? Viel Spaß beim Üben!

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Kommentar

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dschidschoriengrien als farbbeschreibung – sowas reicht dem rheinländer nicht. hier würde man sagen, herrlische farbe, ein wunderbares jrün wie beim jan von werth traditionskorps – dann hätt dä herrjott noch ett sönnsche vorjelock för datt herrlische jelb im jrün – wie ene botterblömsche usw. usf…usw.usf…könnte eine durchaus abendfüllende unterhaltung werden…

Es geht wieder los! Die Wahl zum sächsischen Wort des Jahres 2011 läuft! Viel Vorgnieschn.

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