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Ein Zwei-Sprach-Erbe

erstellt am: 28.10.2010 | von: emagla | Kategorie(n): Wortwanderer

Der Malocher und seine Schickse, das ist der Kumpel aus dem Ruhrpott mit seiner echt heißen Braut: Dialekt vom feinsten und – klar – aus dem Revier. Aus dem Revier? Ja und nein. Denn die Ursprünge der Wörter liegen in einer Sprache, die ‘eigentlich’ ausgestorben ist. Ganz schön meschugge, was?

Das Jiddische wird nur noch sehr selten gesprochen: vielleicht noch von älteren Juden in den USA, in Lateinamerika, in Israel. Eine Sprache und ein Spiegelbild einer Kultur, die durch die Nazis zerstört wurde. Bis zum Ende des 19. Jahrhunderts hieß das Jiddische offiziell Judendeutsch und ist der deutschen Sprache sehr nahe. Und umgekehrt: Im Deutschen gibt es wohl etwa 1.100 aus dem Jiddischen stammende Wörter – im täglichen Wortschatz sind es sehr viel weniger. Aber immerhin: Es gibt sie.

Jiddisch ist lebendig

Nun weiß man doch beispielsweise, dass so ein Malocher aus dem Pott ganz bestimmt keinen großen Reibach macht. Das Wort Reibach bedeutet ‘nicht unbeträchtlichen Gewinn’ und kommt von ‘rehwa’. Und die Liebe zu seiner Schickse – (= junges Mädchen) – läuft sicher nicht Gefahr, zu einer Schmonzette (Schmonzes = Unsinn) zu verkommen. Es sei denn, die beiden stecken bereits ganz schön tief im Schlamassel (Unglück, Gegenstück zu ‘Massel’), doch dann ist sowieso reichlich Zoff (Streit, Zank) zu erwarten. Dann nützt das schönste Techtelmechtel nichts (‘tachti’ = ‘heimlich’ wird als Reimwort um ein ‘l’ erweitert und mit ‘mechtl’ wiederholt). – Natürlich ist diese kleine Geschichte um den Malocher und seine Schicke nichts als echter Stuss (von hebr. schote = Tor, Geck).

Kulturelles Erbe mit Zukunft

Aber die deutsche Sprache verdankt dem Jiddischen sinnliche, bilderreiche Wörter und es lohnt sich, sich die Verbundenheit beider Sprachen wieder bewusst zu machen: eine kulturelle Bereicherung, die auch der Moderne standhält. Denn im Rahmen eines Projekts an der Universität in Tel Aviv wurden nun auch die treffenden Wörter für die neueren Errungenschaften der Technik entwickelt. So nennt sich beispielsweise die CD auf jiddisch ‘Kompaktl’; E-Mail heißt ‘Blitzbrief’. Und das sind schöne Zukunftsaussichten für ein lebendiges Jiddisch. Maseltov!

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Wünsche ein schönes langes Wochenende mit der ganzen Mischpoke;-)

Dem Ruhrgebiet seine ‘Malocher’, dem Wort ‘Maloche’ aber seine Heimat: das Jiddische. Auch, wenn der Pott sich diese Bezeichnung für seine Arbeiter zu eigen gemacht hat.

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