Spieler sind Menschen, die eine tiefen Fall vor sich oder hinter sich haben, die nur noch an den nächsten Kick denken, kurz: Süchtige. Ihr Ruf ist bescheiden und wir schmeißen sie gerne mit allen möglichen anderen Randerscheinungen unserer Gesellschaft in einen Topf. Bei Gamern ist das anders: auch sie neigen zur Sucht, aber das mit großer Schau.
Wenn Sie zufällig irgendwo in der Stadt seltsam gekleidete Menschen antreffen, die etwa Super Mario ähneln oder dem Herrn der Ringe entsprungen zu sein scheinen, dann ist entweder Karneval oder Sie haben einen leibhaftigen Gamer getroffen. Einen Freak, der keinen Hehl daraus macht, in einer Parallelwelt zu leben. Mit Klaus Wowereit ließe sich formulieren: Ich sitze jeden Tag 10 Stunden vorm Computer oder der Konsole – und das ist auch gut so.
Paralleluniversum statt Pathologisierung
Wir dürfen dem Wortwanderer Gamer also dankbar sein. Denn – Sie erinnern sich – Gamer sind keine Spieler und wie sollten wir das Wesen des Gamers mit unserer oft etwas hüftsteifen deutschen Sprache fassen? Computerspieler, Konsolensüchtiger, von elektronischen Spielen Abhängiger. Das klingt nach Pathologisierung und nicht nach Paralleluniversum.
Auch wenn man vor den Games schon mal das Gefühl hat, sein Leben zu verdaddeln – was soll’s: Der Unterschied bleibt, die Spieler das sind die Anderen, die an den Automaten und Spieltischen, in den Wettbüros und auf den Rennbahnen Hab und Gut verzocken. Ein echter Gamer dagegen shootet, jumpt und strategiert sich durch erfundene Welten, die er beherrscht und nicht umgekehrt, oder?




Gamer sind keine Spieler – und ein Game Boy noch lange kein Global Player.