Der Beginn des Jahrzehnts stand dann auch bei der Wortwahl ganz im Zeichen der Wiedervereinigung. 1990 wurde das ganz nüchtern gefasst: die neuen Bundesländer. Klingt bürokratisch unspektakulär und war wohl auch so gemeint. Da wurde ein Land geschluckt, kurz anverdaut und als neue Bundesländer wieder ausgespuckt. So schnell kann’s gehen – nur die Bürgerbewegung wurde nicht gefragt. Dafür war Helmut Kohl jetzt der strahlende Kanzler der deutschen Einheit.
Aber schon 1991 machte sich mit dem Besserwessi ein Unbehagen breit, dass sich in Ressentiments gegen den allwissenden und sein Wissen auch im Überfluss herausposaunenden Westdeutschen Luft verschafft. Gibt es eigentlich ein ostdeutsches Gegenwort? Der Nullchecker-Ossi, der Hinter-dem-Mond-Ossi? Aber auch mal schön, wenn sich die Schwächeren im Wettkampf der Worte durchsetzen können.
1992 folgte dann auf die Einigungseuphorie der richtige Katzenjammer. Ossis und Wessis vereinten sich in wahrer Politikverdrossenheit. Fast so ein Klassiker wie ‘Gesundheitsreform’ – könnte im Grunde jedes Jahr aufs Neue gewählt werden. Wäre vielleicht auch mal eine zeit- und kostensparende Alternative diese beiden Worte immer im Wechsel zum Wort das Jahres zu wählen. Richtig falsch läge man nie; in etwa so, wie wenn Lena und Guildo Horn immer abwechselnd für Deutschland beim Grand Prix – pardon: Eurovision Sing Contest – antreten würden. Machen wir den Erfolg doch zum Dauerbrenner.




Ich glaub, das Gegenstück zum Besserwessi war der Jammerossi. Aber das hat sich doch bis heute ziemlich angeglichen, oder? Sind wir nicht alle irgendwie Wossis?