Mit dem Niveau ist es keine ganz leichte Sache. Wie so vieles, was uns besonders nobel und elegant erscheint, haben wir auch dieses schöne Wort aus dem Französischen adoptiert. Zunächst allerdings ganz bodenständig pragmatisch: Im 17. Jahrhundert wurde das Niveau bautechnisch gehalten; es bezeichnete eine waagerechte Fläche oder Höhenlage. Erst im bildungshungrigeren 18. Jahrhundert erfuhr es dann eine Übertragung im Sinne von Bildungsstufe. Damit einher ging die permanente Angst vor dem Verlust des erreichten Niveaus.
Die Franzosen versteigen sich nicht zu derartigen Ausweitungen, ihr niveau ist eine Wasserwaage oder ein Pegelstand. Wäre die Waage im Lot, so könnten wir wohl davon sprechen, dass sich das Niveau nivelliert hat – sprich: Unterschiede ausgeglichen wurden. Im Moment sieht es allerdings eher so aus, als neige sich der Wasserstand ganz gehörig. Um eine Anleihe in den Naturwissenschaften zu machen: Es stabilisiert sich alles auf niedrigstem Niveau.
Aber Kopf hoch: Solange der Niveaulimbo und die Fremdscham es noch schaffen, zum Wort des Jahres gewählt zu werden, ist noch nicht alles verloren. Eine Erinnerung an die Wortgeschichte könnte helfen: Ein Umbau der Bildungsarchitektur könnte hierzulande dazu beitragen, eine Höhenlage zu erklimmen. Dafür braucht er allerdings PolitikerInnen mit Niveau.




Jede Waschmaschine hat ihn: einen Niveauschalter. – Ich weiß, der lässt sich nicht einfach ein- und ausschalten;-) Aber vielleicht ist es einen Versuch wert: Warum sollte nicht auch der eine oder andere Politiker (und/oder Promi usw.usf…)damit ausgestattet werden?