Diesmal waren es nicht die weit über die Landesgrenze hinaus berühmt-berüchtigten österreichischen PolitikerInnen, die die Vorlage lieferten, sondern – so hießt es zumindest – Harald Schmidt. Auch der Österreicher möcht’ sich in diesem Jahr offensichtlich recht häufig ‘fremdschämen’ und das obwohl Jörg Haider nicht mehr zugegen ist.
Das Wort ‘Fremdschämen’ soll eng mit dem Begriff ‘Unterschichtenfernsehen’ verbandelt sein. Eine Allianz wie aus dem Bilderbuch. Nur: Das öffentliche Blamieren eines Anderen, das auch gegen alle Abwehrversuche bei mir Scham auslöst, ist beileibe nicht auf besonders niveaulose TV-Formate beschränkt. Deutschlands Jugendwort des Jahres, der ‘Niveaulimbo’, drückt dieselbe Angst vor der Verdummung aus. Eine Verdummung, die nicht allein dem Fernsehen anzulasten ist.
Eigencharme statt Fremdscham?
Ein aktueller Anlass für Fremdscham ist wohl der Ausflug unseres Verteidigungsministers nach Afghanistan nebst Ehefrau und wackerem Unterhaltungsmann Johannes Baptist Kerner (so viel Zeit muss sein, auch wenn’s nicht zu allen Guttenberg’schen Vornamen reicht). So viel Show wagte ein Verteidigungsminister noch nie und die Stephanie solidarisiert sich herzig vor allem mit den deutschen Soldatinnen. Wie schön, dass endlich auch in Deutschland jemand das volle Showpotenzial des Krieges erkannt hat und es hemmungslos ausnutzt. In die Ecke und schämen – Fremdscham bewirkt nämlich leider keine Verhaltensänderung.




Stimmt: Fremdscham bringt uns nicht weiter! Aber wenn Fremdscham für unsere Politiker sich immer weiter ausbreitet, werden vielleicht auch mal welche gewählt, für die man sich nicht schämen muss.