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Wort des Jahres 2010: Wutbürger

erstellt am: 17.12.2010 | von: emagla | Kategorie(n): Wortwahl

‘Wutbürger’, das ist nicht nur das Wort des Jahres 2010, sondern laut Geschäftsführerin der Gesellschaft für deutsche Sprache (GfdS): das ‘perfekte’ Wort des Jahres. Es sei überraschend und treffe den Nerv der Zeit. Weniger überraschend dann Platz 2 für „Stuttgart 21“.

Fest steht: 2010 war ein Jahr der (umstrittenen) Bürgerproteste. Aber ist jeder, der demonstriert, gleich ein ‘Wutbürger’? Den Angaben der GfdS zufolge wurde das Wort in Zeitungs- und Fernsehberichten kreiert: Hier werde die Empörung der Menschen darüber, dass politische Entscheidungen über ihren Kopf getroffen werden, beim Namen genannt.

Rund um die Proteste

Die Hartz4-Plattform setzte sich im Vorfeld der Entscheidung dafür ein, das Wort ‘Lügenpack’ zum Jahressieger zu küren. Begründung: Das Wort sei als der Ruf von Stuttgart 21 Synonym für die Stimmung im Lande, für verlorenes Vertrauen in Demokratie und Rechtsstaatlichkeit. Vielleicht tröstet es die Initiatoren der Plattform, dass die Wahl des „Wutbürger“ auf ähnlichem Unbehagen fußt. Und dieser knüpft sowieso nahezu nahtlos an Platz 2 ‘Stuttgart 21′ an.

Allerdings fehlt – um die Dreierreihe des Ärgers abzurunden – der ‘Castor’  auf Platz 3. Aber auch Castor bleibt nicht ungehört bei der Wortwahl 2010. Auf Platz 6 steht das Verb ‘schottern’, und das stammt aus der Protestbewegung gegen den ‘Castor’-Transport.

2.000 Wörter standen zur Wahl

Auch bei den weiteren Vorschlägen zur Wahl des Wortes drehte sich so manch eines um Politik im engeren oder weiteren Sinne:

So beschreibt der ‘Lobbylitiker’ den Politiker, der sich weniger von den Interessen des Volkes als vielmehr von denen der Industrie leiten ließ. Das hört sich nach Dauerbrenner an und kommt vielleicht 2011 in die engere Wahl? Und hoffen wir, dass das ‘schäubeln’ sich in Wort und Tat nicht weiter durchsetzt: Was ist eigentlich los mit jemandem, der seinen Mitarbeiter zur Schnecke macht – schlimmstenfalls in aller Öffentlichkeit? Auch hierfür bleibt vorerst nur das ‘fremdschämen’ (s. auch unseren Blogbeitrag) aber das Wort haben ja bereits die Österreicher für sich zum Wort des Jahres 2010 gekürt.

Wie auch immer: Unter den Top-Ten finden sich weitere Worte, die in 2010 wahlweise mit Freude oder Verdruss verknüpft sind, darunter auch das ‘Sarrazin-Gen’, ‘Vuvuzela’ oder ‘Aschewolke’.  Die Zeiten ändern sich. Die ‘Abwrackprämie’ des Vorjahres ist Schnee von gestern.

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Kommentar

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Wutbürger hört sich so an, als ginge es den Bürgerinnen und Bürger nur darum, mal ordentlich Dampf abzulassen. Wie aber ist es mit der Sorge um die Zukunft, dem Bedürfnis, von der Politik gehört zu werden, und schlicht: der Wahrnehmung demokratischer Rechte??

Hab ich ja noch nie vorher gehört, Wutbürger. Is auch vielleicht eher Unwort des Jahres?

Mit der Wut allein ist es leider noch nicht getan. Ich erinnere mich immer ‘gerne’ an die Worte unseres Ex-Kanzlers Kohl: “Die demonstrieren, wir regieren!” Irgendwann im Laufe unserer demokratischen Existenz muss den Politikern das Bewußtsein abhanden gekommemn sein, dass sie gewählte Vertreter des Volkes sind und keine Regenten.

[...] Die Motivation ist letztlich zweitrangig, wenn sich endlich wirklich was bewegt. Positivlisten und andere kosmetische Korrekturen helfen da wenig. Bleibt die Hoffnung, dass das Engagement literarischen Könnens etwas erreicht. Wohlgesetzte Worte können treffen – die Kampfschrift liefert dem Wutbürger Munition. [...]

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