Seit 1990 macht man sich in den Vereinigten Staaten auf die Suche nach der wortwörtlichen Nummer Eins des Jahres. Die Jury besteht aus Sprachwissenschaftlern und Autoren, jede Bürgerin, jeder Bürger kann Vorschläge einreichen – mit einer Bedingung: Es muss sich um einen Begriff handeln, der die gesellschaftliche Debatte entscheidend mitgeprägt hat.
Technik ganz oben
In Amerika tun das offensichtlich viele Begriffe aus der IT-Welt: ‘Tweet’ war Wortsieger 2009 und Wort des Jahrzehnts ‘Google’. Ob allerdings die ‘Applications’, Mini-Programme für Smartphones und iPads, kurz: ‘APPs’ tatsächlich für gesellschaftlichen Wirbel gesorgt haben? Immerhin hat eine milliardenschwere Apple Werbe-Kampagne das ihrige dazu getan, dass das Wörtchen ‘APP’ ein verbaler Dauerbrenner und sogar Oma-kompatibel ist. Durchgesetzt hat es sich übrigens gegen ‘Wikileaks’. Wer sich jetzt fragt, ob das Geschehen rund um die Internetplattform nicht von höherer gesellschaftlicher Relevanz sei, bleibt erstaunt zurück.
Zwischen Politik und Mahlzeit
Einen kleinen Trost gibt es jedoch: Auch die aus der ‘Sesamstraße’ stammende Lautmalerei ‘nom’ – was soviel bedeutet wie ‘njam,njam’ und leckeres Essen meint – hat sich bei der Wahl zum Wort des Jahres nicht durchsetzen können. Auch hier will die gesellschaftliche Brisanz des Begriffs nicht recht einleuchten, es sei denn, es ginge dabei um den kollektiven amerikanischen Hang zum Übergewicht. Allerdings bietet lecker, lecker ‘nom’ nicht unbedingt Anlass, gesundheitspolitisch interpretiert zu werden. Es bleibt dabei: andere Länder, andere Worte. Und wen die amerikanische Wahl zum Wort des Jahres unbefriedigt lässt, der tröste sich mit einem guten Essen. Na denn. ‘Nom Nom’. Guten APP-etit!




Apropos Appkürzung, in Deutschland wäre es dann der W-Bürger oder amerikanisiert: der ‘W’Burger? Lecker.