Das Moratorium ist guter lateinischer Herkunft: morari bedeutet zögern, verweilen oder (sich) aufhalten. Klingt nicht sehr entschlossen – und ist es wohl bei diesem vielbeschworenen Moratorium auch nicht. Ein Moratorium kann dazu genutzt werden, einen Kompromiss zu finden. Auch in der Finanzwelt kommen Moratorien vor und dienen dazu, Zahlungen zu stunden.
Bitte ablösen
Am interessantesten in diesem Zusammenhang könnte die Verwendung in der Sozial- bzw. Entwicklungspsychologie sein: Hier bezeichnet das Moratorium die Übergangsphase von der Kindheit zu einer Erwachsenen-Identität. Typischerweise erfolgt eine langsame Ablösung von den Eltern, die oft mit Orientierungsproblemen verbunden ist.
Orientierungsprobleme hat allem Anschein nach auch die Bundesregierung. Die zentrale Frage wäre dann: Löst sie sich von ihren guten alten Netzwerkern der Atomlobby oder bleiben sie in einer juvenilen Zwischenphase stecken? Eine eigene Identität, in der sich CDU und vor allem die FDP nicht einfach als Erfüllungsgehilfen von RWE und Co. verstehen, könnte zu einer wirklichen Energiewende führen. Allein: Soviel Reife ist in der Politik leider selten. Vielleicht helfen ihnen aber die neuen Wutbürger auf die Sprünge. Schon am Sonntag wissen wir mehr.



