Immer mehr Menschen sollen sich laut Berichten freiwillig melden, um in Fukushima gegen den GAU zu kämpfen. Der Begriff “Held” ist schnell bei der Hand. Zumal in einer Nation, die ein Faible für Aufopferung und Unterordnung des Einzelnen unter die Gemeinschaft hat. Da ist es letztlich von untergeordnetem Interesse, wie freiwillig die Entscheidung des Einzelnen getroffen wird. Die viel zitierten Kamikaze-Flieger waren, so vermuten einige Historiker/innen, wohl eher arme Rekruten, die zu ihrem Heldentum gezwungen wurden. Im 13. Jahrhundert schützten zwei Taifune das japanische Kaiserreich vor der Eroberung, indem sie die feindlichen Schiffe vernichteten. Dieser göttliche Wind (“Kamikaze”) wurde im 2. Weltkrieg durch Menschen imitiert.
Wann ist ein Held ein Held?
Der Held ist zum einen zutiefst menschlich, er ist verletzlich und dem Tod geweiht und erhebt sich doch über die Angst um die eigene Existenz, um etwas Überindividuelles zu erreichen. Die genauen Zutaten für Heldentum sind allerdings nicht klar: Ob zum Beispiel Dominik Brunner ein Held war, ist strittig. Zuletzt fanden wir unsere Helden noch am ehesten auf dem Fußballrasen. Hier entscheiden Publikum und Medien über die Frage: “Held oder Depp?” Die Antwort beeinflusst sehr temporär das Wohlbefinden eines Einzelnen, aber – um im Bild zu bleiben – die Konsequenzen spielen in einer anderen Liga als die, mit denen die aktuellen ‘Helden von Fukushima’ rechnen müssen.
Eine tragische Fiktion?
Seit dem 18. Jahrhundert wird “Held” – vermutlich in Anlehnung an den englischen “hero” – auch im Sinne von “Hauptperson einer Dichtung” verstanden. Diese Bedeutung könnte den Kern der Sache schon eher treffen: Gebannt und verstört von den Ereignissen in Japan wünschen wir uns nichts sehnlicher, als dass wir rückblickend eine Geschichte von Helden und Rettung erzählen können. Das Risiko, dass es sich dabei nur um eine Fiktion handelt, ist allerdings hoch. Und was geschieht mit gescheiterten Helden? Vielleicht sollten sich alle japanischen Helden in spe mit dieser Frage an die ehemaligen Liquidatoren aus Tschernobyl wenden – falls sie noch leben.



