Wer glaubt, muss hungern. So war es schon der Kirchenwille im Mittelalter: Fasten war Diät. Doch leider war ja seinerzeit bei den wenigsten so wirklich Speck auf den Rippen. Bei den Kirchenvertretern, also denen, die das Fasten schon eher nötig hatten, half eine ordentliche Portion Einfallsreichtum darüber hinweg, die Regeln allzu wörtlich zu nehmen.
So sollen ja beispielsweise die schwäbischen Maultaschen nur deshalb entstanden sein, weil findige Mönche ein Stück in der Fastenzeit geschenktes Fleisch klein hackten, mit Gemüse mischten und dann im köstlichen Nudelteig vor den Augen kritischer Zeitgenossen verbargen.
Zurück in die Zukunft
Und heutzutage boomt das Facebook-Fasten, immerhin eine wunderbare Alliteration. Mehr oder weniger bekannte Menschen starten den gnadenlosen Selbstversuch. Von Aschermittwoch bis Ostersonntag ohne Facebook. Doch lässt sich nicht auch hier noch ein kleiner Ausweg aus allzu harter Askese finden? Denn schließlich gibt es ja noch E-Mails, Handys, Smartphones, kurz: reichlich Möglichkeit, die Informationen, die in der Fastenzeit nicht in Facebook gepostet werden, unter anderen elektronischen Nudelteig zu packen.
Und übrigens: Lange vor dem Mittelalter bedeutete fasten auch: festhalten, beobachten. Und dann macht doch der Facebook-Entzug erst recht keinen Sinn. Denn letztlich lässt sich doch bei Facebook so ziemlich alles festhalten und zur Beobachtung einer größeren Facebook-Gemeinde freischalten: „Ey, was machste?“ – „Nix, so relaxen halt.“ – „Voll krass, ey.“ Weisse Bescheid. Amen.




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