Sie wissen schon, Hände nach oben, Zeige- und Mittelfinger zweimal kurz hintereinander krümmen. Zur Not wird auch einfach noch „in Anführungszeichen“ verbal hinterhergeschoben. Womit klar wird, dass der/die Gesprächspartner/-in das Gegenüber als intellektuell eher flachbrüstig erlebt: Gänsefüßchen mit der Holzhammermethode eben.
Das Gänsefüßchen – ein Fall für den Orthopäden?
Aber Anführungszeichen gefallen oft aus einem anderen Grund: Sie unterstreichen die Distanz zu einer Aussage oder die Ironie eines Ausdrucks. Eigentlich.
Ironie ist eine rhetorische Figur mit vielfältigen Funktionen. Im simpelsten Fall ist genau das Gegenteil von dem gemeint, was tatsächlich gesagt wurde. Aber schon hier kann es zu reichlich Verwirrung kommen. Wer/welche von uns hat sich noch nicht gefragt, ob das, was so manche Politiker/-innen von sich geben oder was in einschlägigen Sendungen vornehmlich der privaten Kanäle abgesondert wird, nicht doch ausschließlich ironisch gemeint sein kann.
Diese dauernde Verwirrung trägt Früchte. Schauen Sie sich mal um, die Gänsefüßchen schreiten mächtig aus. Immer öfter. Achtung, „Kfz-Verkehr“ – Fußgänger bitte die „Straßenseite“ wechseln. „Kfz-Verkehr“? Zwei Autos machen Liebe? „Straßenseite“? Eine Straße hat eigentlich keine Seite, sondern, ja was? Oder: In unserem Stehcafé bieten wir Ihnen „laufend“ frische Brötchen an. Das ist klar: laufend im Stehcafé, das „geht“ ja nun mal wirklich nicht! Es scheint so, als erfülle sich, was oft zu lesen ist: Die Gänsefüßchen haben in letzter Zeit stark „zugenommen“.



