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Seid netter zueinander

erstellt am: 06.05.2011 | von: van Zwart | Kategorie(n): Wortschutzgebiete

Schon mal etwas von verhohnepi(e)peln gehört? Egal, ob mit oder ohne „e“: Verhohnepiepele ich jemanden, so ist es nichts anderes, als dass ich ihn mit Ironie oder Spott lächerlich mache.

Laut Wiktionary stammt es vom frühneuhochdeutschen Ausdruck „hole Hip“ = hohle Waffel. Die von Haus zu Haus ziehenden Verkäufer solcher Waffeln wurden Hohlhipper genannt.

Über die Waffel zum Wort

Ab dem 16. Jahrhundert wurde dieses Wort gleichbedeutend für „Lästerer“, anscheinend daher, dass sich Käufer und Verkäufer – wie auch immer und warum auch immer – mit Spott bedachten. (Ob es daran lag, dass die Waffeln ungenießbar waren? Oder beide einander einfach nicht leiden konnten?)

Wie ging es weiter?

Die Folge waren Wortbildungen wie “hohlhippeln” oder “hohlhippen” (schmähen, beleidigen), die zu “hohniepeln” und “(ver)hohnepie)peln” (hänseln, lächerlich machen) wurden.

Hörte ich in meiner Kindheit „Du willst mich wohl verhohnepiepeln“ (übrigens sehe ich das Wort in diesem Blog-Beitrag in meinem Leben zum ersten Mal geschrieben), so war ich beruhigt: Im Gegensatz zu dem harten „Du kannst mich nicht lächerlich machen!“ war bei dieser Formulierung stets ein Augenzwinkern inbegriffen. Und ich wusste: Es war alles nicht so ernst gemeint.

Gewaltfrei hohnepiepeln

Als in keiner Weise perfekte Anhängerin der Gewaltfreien Kommunikation, die Marshall Rosenberg ins Leben gerufen hat, schlage ich deswegen nicht zu, sondern vor: „Ich lass mich von dir nicht verarschen“ klingt hart. Nehmt doch „Ich lass mich von dir nicht verhohnepiepeln.“ Klingt es nicht irgendwie netter? Schwingt nicht gleich viel weniger Aggression mit? Auch, wenn die Gewaltfreie Kommunikation damit immer noch nicht ganz perfekt gelungen ist.

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Schön, wenn eine Gastautorin sich beschwingt durch die Worte wälzt. Danke, van Zwart. Übrigens: hohle Waffel ist ja nicht wirklich nett – und was ist, wenn man einen an der Waffel hat?

Warum muss die Waffel überhaupt bei Schmähungen herhalten? Ist doch im Grunde eine feine Sache – außer wenn sie, wie bei mancher Eisdiele bei einer Kugel üblich – nach Plastik schmeckt. Aber im Normal- bis Idealzustand ist doch gegen eine Waffel wenig einzuwenden.

Möglicherweise hat sich das Herhalten der Waffel als mehr oder weniger galante Beschimpfung aus einem Akt des Widerstands gegen die Obrigkeit entwickelt. Denn die Klöster mit ihren Oblaten waren die Urheber der Waffelbäckerei – und wenn man kopfschüttelnd die strengen Kirchenvorgaben kommentieren wollte, tat man es von hinten durch die Brust durchs Auge: Die haben einen an der Waffel. Und Waffeln backen können sie auch nicht.. Oder so: Da eine Oblate nun mal auch keinen Hungrigen tatsächlich satt gemacht hat, liegt die hohle Waffel für den hohlen Zahn doch auch nahe. Nun fühle sich aber niemand verhohnepiepelt.

Mit der Waffel ist das so ne sAche. Irgnedwie hängt alles am Gebäck. Beim auf dem Keks gehn ja auch.

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