Erbsenzähler, das ist ein schön kurioses Wort der deutschen Sprache, das aus rein sprachlicher Sicht – mal ehrlich – viel zu selten auftaucht. Entstanden ist es bei der Recherche für ein Buch, genauer gesagt: für einen Reiseführer. Das war zu der Zeit, als man noch nicht im Internet nachlesen konnte, wie hoch der Mailänder Dom ist.
Als Karl Baedeker 1847 den Dom bestieg, legte er seiner Messung die Erbse zugrunde: Alle 20 Stufen wanderte nämlich eine Erbse aus seiner Westen- in die Hosentasche, oben angelangt wurden mal schnell die Erbsen gezählt und auf dem Abstieg die Gegenprobe durchgeführt.
Zartgemüse aus der Hose
Wie ausgerechnet diese Zählweise es zum Synonym für ausgesprochene Genauigkeit geschafft hat, bleibt für mich allerdings ein Rätsel: Sind die Stufen wirklich alle gleich groß gewesen? Wie oft hätte ich wohl hinauf und herunter laufen müssen, bis ich eine übereinstimmende Anzahl von Erbsen hätte aufweisen können? Und sicher wäre mir beim anschließenden Cappuccino noch ein Erbschen aus der Hosentasche gefallen und ich hätte von vorne anfangen können.
Herr Baedeker war da offensichtlich anders drauf. Was wäre wohl aus seinem Reiseführer gewesen, wenn er nicht nur Erbsenzähler, sondern auch Haarspalter oder gar Korinthenkacker gewesen wäre?




Mir lag er auf der Zunge (nicht wörtlich nehmen!) – und zu guter Letzt ist er auch noch vorgekommen – der Korinthenkacker. Ich wünsche mir eine Fortsetzung zu diesem wunderbaren Wort.