Die Vereinigung war 1992 noch lange nicht verdaut. Was da zusammenwachsen sollte, erwies sich als recht widerständig. Und blühen wollte schon mal gar nichts – da halfen auch die fleißig eingesetzten Naturmetaphern nicht. Und auch das Jammern wollte nicht aufhören, mit gutem Grund. Denn der Sozialabbau schaffte eine gewisse Gleichheit: Er traf Ost wie West. Wenn er auch bei denen, die eh nichts haben, besonders einschlägt.
Aber in einer Demokratie ist dagegen ja – um die Naturmetaphern weiter zu strapazieren – ein Kraut gewachsen. Der sozialabbauende Volksvertreter kann zum Glück abgewählt werden. Im Superwahljahr ist das sogar besonders effektiv und auf allen Ebenen möglich. Bei 19 verschiedenen Wahlen können sich die Bürger und Bürgerinnen wie die wahren Herrscher fühlen. Egal ob Bundestag, Europaparlament, Landtag oder Kommune: Überall wird neu sortiert. Der Effekt ist aber bescheiden: Am Ende bleibt alles weitgehend beim alten, auch der Kanzler. Scharping als Alternative hat wohl nicht so gezogen – heute hat er sich aufs Radfahren verlegt.
Nach all der Politik wollten wir es dann mal wieder vergnüglicher haben. Das folgende Jahr stand deshalb ganz im Zeichen von Multimedia. Was 1995 als multimedial galt, kann uns heute wahrscheinlich weniger beeindrucken. Immerhin zeigt sich aber das Bewusstsein dafür, dass sich doch noch grundlegend was ändert. Wenn schon nicht durch Wahlen, dann eben durch Medien – und das ist durchaus politisch. Sage keiner, Medien vermittelten nur, denn: The medium is the message.



