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Worte der 90er – Teil 3: Mit rot-grün durchs Millenium sparen?

erstellt am: 27.06.2011 | von: MAd | Kategorie(n): Wortwahl

Und los geht’s ins nächste Jahrzehnt – die Neunziger. Die Frisuren und Klamotten veränderten sich nur langsam, aber politisch gab es in Deutschland eine wahre Sensation: die Wiedervereinigung. Das gegenseitige Bestaunen von Südfrüchten und Autos der Marke Trabant oder Wartburg konnte beginnen. Das mit den blühenden Landschaften hat sich dann als nicht ganz so einfach herausgestellt, es sei denn, ein brauner Sumpf ginge als solche durch.

Die politische Lage bleibt schwierig und die Regierung Kohl wurschtelt sich weiter durch – das kommt davon, dass sie niemand im Superwahljahr gestoppt hat. Damit es nicht zu sehr nach Aussitzen aussieht, erlässt sie ein Sparpaket. Nach dem Motto ‘Gürtel enger schnallen’ trifft es die üblichen Verdächtigen: Rentner/-innen, Kulturschaffende und Kranke. Aber auch pensionierte Beamte sollen Federn lassen. Die Erhöhung der Mineralölsteuer als Allzweckwaffe streut dann ganz ordentlich. Die Proteste bleiben nicht aus.

1997 macht sich eine gewisse Lähmung breit. Der Reformstau hat das Land fest in der Hand. Die alteingesessene Regierung kann nicht mehr länger darüber hinwegtäuschen, dass reichlich wenig geschieht. Kein Wunder, dass sie die nächste Wahl verliert und einer rot-grünen Regierung weichen muss.

Ob diese Wahl wirklich zu einem grundlegenden Politikwechsel geführt hat, ist die große Frage, aber eins hat uns die rot-grüne Regierung in ihrer Amtszeit von 1998-2005 mit Sicherheit beschert: Mesut Özil. Wie Daniel Cohn-Bendit via taz mitteilt, haben wir den deutsch-türkischen Fußballkünstler auf Grund eines Gesetzes für uns gewonnen, nachdem in Deutschland geborene Ausländerkinder zusätzlich und befristet die deutsche Staatsbürgerschaft erhalten, um sich zwischen 18 und 23 für eine der beiden Staatsbürgerschaften entscheiden zu können und müssen. Die Fußballnation dankt es rot-grün, dass nicht mehr nur teutonische Rumpelfüßler in schwarz-weiß auflaufen.

Mit der Götterdämmerung im deutschen Fußball neigen sich die Neunziger dem Ende entgegen. Aber nicht ohne einen letzten großen Aufreger: Das Millenium ist in aller Munde. Neben den üblichen Weltuntergangs-Theoretikern beteiligen sich jetzt auch sogenannte Fachleute daran, ein allgemeines Unwohlsein zu erzeugen. Der große Milleniums-Bug ist aber ausgeblieben. Außer ein paar uralten Windows-Rechnern sind uns unsere elektronischen Freunde ins neue Jahrzehnt gefolgt.

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