Versprecher, das sind, befragt man Wikipedia, ‘unwillkürliche sprachliche Fehler, die beim Sprechen unterlaufen und nicht auf organische oder sonstige gesundheitliche Ursachen zurückgeführt werden’. Schätzungsweise alle 10 Minuten versprechen wir uns, das bedeutet, dass im Durchschnitt pro 1.000 Wörter ein Versprecher dabei ist. Ein sehr schöner gefällig? ‘Das buddhistische Standesamt’ statt ‘das statistische Bundesamt’. (Hier liegt zumindest die Vermutung nahe, dass die Welt der Versprecher eine ungleich abwechslungsreichere sein könnte…)
Wie auch immer – unterlaufen kann der Versprecher jedem und jeder – und auch auf der sprachlichen Ebene sind alle Bereiche von Versprechern betroffen: von der Laut- bis zur Bedeutungsebene.
Versprecher sprechen
Doch es bleibt dabei: Ein Versprecher ist eine Fehlleistung der Sprachproduktion, die schnell korrigiert – und vergessen oder belächelt – werden kann und außer den LinguistInnen, für die die Versprecher Aufschluss darüber geben wie die Sprachproduktion arbeitet, niemanden so recht länger beschäftigt.
Dagegen kann der berühmte Freud’sche Versprecher, die Freud’sche Fehlleistung schon einmal mehr zum Innehalten und Nachdenken anregen, tritt doch in ihr der eigentliche Gedanke oder die wirkliche Intention des/der Sprechenden ans Tageslicht: und das war oft ganz und gar nicht so gewollt. Das scheint auch beim Versprechen, also dem Versprechen, das man jemandem gibt, dem heiligen Eide oder was auch immer, der Fall zu sein. Oft ist es wohl so nicht gewollt. Denn es soll schon mal gerne gebrochen werden.
Versprechen brechen
Von wegen ‘Versprochen ist Versprochen’ oder ‘hoch und heilig versprochen’. Dann doch eher: ‘das Blaue vom Himmel versprechen’ und jede/r ahnt: Das wird nix. Versprechen brechen – Verbrecher sprechen – Verbrecher brechen. Langsam wird es unübersichtlich. Eine Antwort, wie das alles zusammenhängt, ist auch noch nicht gefunden. Wir geben auf und wundern uns weiter über Worte und Bedeutung. Doch für den Moment belassen wir es einfach dabei: Der Versprecher wird noch immer von der Polizei gesucht. Und dem Sommer geben wir noch eine Chance.




Der Freud’sche Versprecher ist doch auch ein Versprechen: Ein Versprechen darauf, dass die Wahrheit – wenn auch unwillkürlich – ans Licht kommt. Auch wenn die Sonne nicht scheint.