Zwar schießt der ABC-Schütze mit seinen noch dürftigen Kenntnissen im Lesen und Schreiben nur selten den Vogel ab. Doch auch der Ursprung des Wortes ‚Schütze’ ist im Zusammenhang mit dem ABC rätselhaft. Ein Blick in das etymologische Wörterbuch hilft erstmal weiter: Das lateinische Wort ‚tiro’ steht für ‚Rekrut, Neuling’. Das passt zwar durchaus schon für eine/n ABC-Anfänger/-in, doch dann wird es komplizierter.
Wen es zur Schule zieht
‚Tiro’ wurde mit ‚tirare’ gleichgesetzt, was jedoch ‚schießen’ heißt. Und daraus entwickelte sich – laut Wikipedia – die schiefe Brücke ins Französische: tirer für ‚ziehen, den Bogen spannen, schießen’. Knapp daneben, denn etymologisch hat ‚tirer’ nichts mit ‚tiro’ zu tun. In der Alltagssprache heißt es zudem oftmals schlicht ‚zerren’. Doch auch mit dieser Bedeutung mag sich so manche/r Schulanfänger/-in identifizieren, wenn der so genannte Ernst des Lebens mit knallhart angefüllten Stundenplänen droht, und das unweigerlich morgendliche Antriebslosigkeit und elterliches Drängen auslöst.
ABC-Diebstahl
Mit einer weiteren Herkunftsdeutung wartet Wikipedia auf: Im Kreise der fahrenden Schüler des 14. und 15. Jahrhunderts wanderten stets ‚Schulknaben’ mit. Der wenig feine Zug der Herren Scholaren zeigte sich darin, dass sie die jungen Bildungswilligen bei Bedarf zum Betteln und Stehlen losschickten. Das nannte sich in der Burschensprache einfach „schießen“: Da ist er wieder, der Schütze.
Schießen und stehlen – und das in Kombination mit dem ABC! Das ist der empfindsamen Seele ein Graus. Wie viel netter klingt es da doch, den ABC-Neuling liebevoll als I-Dötzchen oder I-Dötzken zu bezeichnen. I Punkt.



