Bücher und Messe – wie passt das eigentlich zusammen? Messe, so gibt uns der etymologische Duden Auskunft, ist die „kirchliche Feier des Kreuzopfers Christi“, und letzteres kann man auch in einem dicken Buch nachlesen, wenn man unbedingt will. Macht aber noch keine Büchermesse.
Missionare im Bücherdschungel
Auch das „geistliche Tonwerk“ passt nicht recht in den Bücherkram, wenn sich auch das Hörbuch auf dem Vormarsch befindet. Das aus der Kirchensprache stammende ‘missa’, ‘messe’ gehört zu ‘mittere’ (missum) und bedeutet soviel wie ‘gehen lassen, entlassen, schicken’. Kennt man auch von ‘der Mission’, vielleicht die, die auch weniger erstklassige Autoren und Autorinnen als wahre Missionare auf die Spitzenplätze der Bestsellerlisten schickt.
Sei’s drum, ein Fest der Heiligen ist sie jedenfalls nicht, die Büchermesse. Schließlich wurde aus dem ebenfalls Messe genannten Heiligenfest ein kirchlicher Festtag – und der ging einher mit einem großen Jahrmarkt. Klingt schon eher nach der hessischen Büchershow.
Zum Nachtisch ein Buch
Doch noch bleibt eine weitere Bedeutung: die Messe als Bezeichnung der Tischgenossenschaft von Offizieren an Bord eines Schiffes. Sie stammt aus dem englischen ‘mess’, das eigentlich „Speise, Mahlzeit’ bedeutet – oder ‘missum’ in der Bedeutung ‘aus der Küche Geschicktes, Zu Tisch Aufgetragenes’. Das heißt, die Büchermesse bringt es auf den Tisch – Literatur als Nahrung für Wissensdurstige und Lesehungrige? Wenn sich das mal wieder nicht viel zu heilig anhört für das Frankfurter Marketing-Spektakel. Vielleicht ist die wahre Messe die linke ‘Gegen Buch Masse’ als Gegenveranstaltung? Denn die will neben einem Forum für kritische Gedanken vor allem Kulinarisches anbieten. So fügt sich Buch und Häppchen doch wunderbar zur Einheit. Büchermesse? Mahlzeit.



