Zwar konnte auch die gute alte Deutsche Mark mit ihrer Beständigkeit nicht unbedingt das Feuer der Leidenschaft erwecken, zumindest war sie ein Zahlungsmittel, das mit Herzenswärme betrachtet wurde. Rein sprachlich liegen schon Welten zwischen Mark und Euro. Wer sich mit Bedacht das Wort ‘Groschen’ auf der Zunge zergehen lässt, der weiß: So schön rund und mit solch kraftvoller Bewegung der Mundmuskulatur läuft es beim Euro eben nicht. Zehn-Cent-Stück. Sachlich, kalt. Pah.
Der Heiermann ist tot
Die Beziehung zum Euro war und ist von Skepsis und allenfalls mehr oder weniger zähneknirschender Akzeptanz geprägt – Wärme fehlt ihr gänzlich. Wer vermag sich vorzustellen, den Fünf-Euro-Schein ähnlich liebevoll wie das Fünf-Mark-Stück zu benennen: Heiermann? Oder die 50-Cent-Münze so warmherzig wie ein 50-Pfennig-Stück: Heiermännchen? Niemals.
Doch hat die fast zärtliche Wortschöpfung auch eine ihr würdige Herkunft? Wer oder was ist der Heiermann eigentlich? Der Blick in die Vergangenheit des finanziellen Kosewortes ist neblig. Etymologisch naheliegend ist, dass der Heiermann dem jiddischen Zahlwort ‘hei’ für ‘fünf’ entstammt.
Seemann auf Landgang
Es kann aber auch sein, dass der Heiermann in Wahrheit ein Heuermann ist – und damit eine Anspielung auf den Lohn der Matrosen. 5 Goldmark sollen es gewesen sein, die den Seeleuten ausgezahlt wurden. Wie die direkt nach Auszahlung wieder verscherbelt wurden, mag sich jede/r mehr oder weniger Fantasiebegabte schnell vorstellen: Klar, Schnaps und Frauen.
Deshalb ist auch diese Variante über die Herkunft des Heiermanns im Umlauf: Für fünf Mark waren die Seeleute dabei – und konnten im Hamburger Hafen in den 1950er Jahre ein Bordell besuchen. Und was sie dort taten, lässt sich – wer es so freundlich umschreiben mag – mit ‘heia machen’ betiteln. Und wenn Mann Heia macht, kostet ihn das eben einen Heiermann. Gegen diese Variante spricht allerdings, dass der Heiermann schon viel früher ein Begriff war. Gut so, denn sie lässt die freundlichen Gedanken an den Heiermann doch sehr schnell abkühlen.
So bleibt die Frage nach der Herkunft des schönen Wortes Heiermann weiter ungeklärt. Nur zwei Dinge stehen fest: Der Heiermann hat mit dem früheren Bundespräsidenten Gustav Heinemann nichts zu tun. Der war nämlich nie auf einer Münze zu sehen, statt dessen prangte sein Porträt von 1970 bis ca. 1975 auf einer bundesdeutschen Briefmarkenserie, deren höchster Wert sich auf 2-Mark belief. Und zweitens: Es wird ihn nie mehr geben, den Heiermann.



