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Die Energiewende – ein Gespenst aus Europa

erstellt am: 19.01.2012 | von: MAd | Kategorie(n): Wortwanderer

Nicht selten wird geklagt in diesem Land: die deutsche Sprache sei gefährdet, sie könne sich der Anglizismen nicht mehr erwehren und überhaupt sei es um unsere Kultur nicht gut bestellt. Aber es geht auch andersrum: Auch das Deutsche hat Immigranten hervorgebracht, Worte, die sich in andere Sprache geschlichen haben. Bekanntestes Beispiel ist wohl der ‘Kindergarten’. Seit neustem spricht man in den USA auch von der ‘Energiewende’.

Dem ein oder anderen US-Bürger wird das gar nicht schmecken – zumal ‘Europäer’ gerade unter Republikanern zu einem beliebten Schimpfwort aufgestiegen ist. Noch schlimmer ist die – beinahe unausweichliche – Kombination von Sozialist und Europäer. Der Prototyp dessen ist zweifelsohne Obama. Aber auch in den eignen Reihen werden solche Subjekte ausgemacht.

Trau niemandem, der französisch spricht

Ein Anti-Romney Clip kulminiert in der geradezu empörten Feststellung ‘like John Kerry he speaks French, too’. Da treten die anderen vorgebrachten Vorwürfe wie steuerfinanzierte Abtreibungen glatt in den Hintergrund. Die Zeiten, in denen französisch parlieren noch als Ausweis einer gehobenen Bildung galt, sind damit endgültig vorbei. Zumindest für die Macher dieses Clips scheint Französisch als Schurkensprache kurz hinter Arabisch zu rangieren.

Mit der Energiewende ist es wahrscheinlich ähnlich, auch die dürfte nur unwesentlich besser als Terroranschläge, Abtreibungen und eine allgemeine Krankenkassenpflicht sein. Da muss sich das zarte Import-Wortpflänzchen auf einiges gefasst machen. Im Zweifel kann es vielleicht einen Asyl-Antrag in Frankreich stellen.

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